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Eisleber Blutsonntag 2020

Gedenkveranstaltung anlässlich des „Eisleber Blutsonntag“ am 12. Februar 1933.
Im Internet wird beim Begriff „Blutsonntag“ bzw. „Blutiger Sonntag“ in Mitteleuropa auf folgende Ereignisse hingewiesen:
1909 – Hannoverscher Blutsonntag nach Demonstrationen der Arbeiterschaft gegen das
Dreiklassenwahlrecht im Januar 1909
1919 – Marburger Blutsonntag
1921 – Bozner Blutsonntag (Südtirol)
1923 – Düsseldorfer Blutsonntag
1924 – Hallenser Blutsonntag
1926 – Blutiger Sonntag (Colmar)
1930 – Blutiger Sonntag (Bonn)
1932 – Altonaer Blutsonntag
1932 – Simmeringer Blutsonntag
1933 – Eisleber Blutsonntag
1939 – Bromberger Blutsonntag (Polen)
1941 – Blutsonntag von Stanislau (Ostgalizien, heute Westukraine)
1945 – Aussiger Blutsonntag (Nordböhmen, heute Tschechien)
1952 – Essener Blutsonntag

In der Lutherstadt Eisleben fand am Sonntag, d. 9.2.2020, anlässlich des 87. Jahrestag des „Eisleber Blutsonntag“ eine traditionelle Gedenkveranstaltung auf dem Alten Friedhof "Campo Santo" statt.
Eingeladen hatte der Arbeitskreis „Eisleber Blutsonntag“, der ab diesem Jahr diese Gedenkveranstaltung organisiert.
Zur Veranstaltung waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Frau Dr. Birke Bull-Bischoff (Mitglied des Bundestages/ Die Linke) sowie die Landrätin, Frau Dr. Angelika Klein gekommen und gedachten der Opfer des am 12. Februar 1933 durch die Nazis angerichteten Blutbades.
Nach der Begrüßung sprachen die Oberbürgermeisterin der Lutherstadt Eisleben, Jutta Fischer, und der Betriebsratsvorsitzende der Romonta GmbH in Amsdorf, Silvio Jacob.
        
Hintergrund der Veranstaltung:
Am 30. Januar 1933 berief Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Bereits am 1. Februar 1933 löste Hindenburg den Reichstag auf.
Kurze Zeit später wurden die Deutschen durch eine Flut von Gesetzen und Verordnungen praktisch aller verfassungsmäßigen Grundrechte beraubt.
Der Nationalsozialismus breitete sich im Land aus. In zahlreichen Städten marschierten SS- und SA-Männer auf und demonstrierten ihre, durch die Auflösung des Reichstages begründete, Stärke im Land. In Eisleben fand am 12. Februar 1933 ein solcher Aufmarsch statt. Das Datum und die Richtung des Aufmarsches von etwa 500 Hitler-Anhängern waren sicher bewusst gewählt. Denn an diesem Sonntag fand in der Ludwig-Jahn-Turnhalle, die hinter der KPD-Geschäftsstelle gelegen war, eine Jugendweiheveranstaltung der KPD statt. Die Nationalsozialisten drangen in die Geschäftsstelle und die Turnhalle ein. Mit Schusswaffen und Spaten fielen sie über die Menschen her und richteten ein Blutbad an.
In dessen Folge verstarben drei Arbeiter - Hans Seidel, Walter Schneider und Otto Helm.
Im Jahr 1945 wurden zu Ehren der getöteten Arbeiter auf dem „Alten Friedhof“ drei Ehrengräber errichtet.
Diese Gedenkstätte erinnert an das durch die Nazis angerichtete Blutbad. Hier findet alljährlich eine Gedenkveranstaltung statt. Die heutige Zeit weist erschreckende Parallelen zu den damaligen Vorgängen auf. Opfer durch nationalistische und rassistische Gewalttäter sind keine Seltenheit. Die Tendenz zur Relativierung solcher Verbrechen, von Gewalt generell, ist unverkennbar. Ausländer und anders Denkende, humanistisch eingestellte Bürger sind die Ziele. Einer erneuten Herrschaft des Nationalsozialismus oder einer anderen menschenverachtenden Ideologie darf niemals wieder eine Chance eingeräumt werden. Dazu kann (muss) jeder seinen Beitrag leisten!