Johann Agricola (1494 - 1566) Reformator, Schulreformer, Sprichwortsammler

Johann Agricola wurde 1494 (?) in Eisleben geboren und studierte u.a. in Wittenberg Theologie.
1525 berief ihn Graf Albrecht IV. von Mansfeld – Hinterort nach Eisleben als Rektor an
die neugegründete „christliche Schule“ bei St. Andreas und zum Prediger an die St. Nicolaikirche.
In Eisleben verfasste Agricola auch seine berühmte Sprichwortsammlung, die ihn einen Platz in der deutschen Nationalliteratur sichert.
1536 kehrte er, nach seinem Heimatort auch Magister Islebius genannt, nach Wittenberg zurück. Verließ das Zentrum der Reformation jedoch nach theologischen Auseinandersetzungen mit Luther und Melanchthon und wirkte ab 1537 bis zu seinem Tod am Hof des Brandenburger Kurfürsten Joachim II. als Oberhofprediger, Generalsuperintendent und Visitator.

Johann Agricola ( lat. Agricola: Bauer ) 1494 (?) - 1566
Reformator, Schulreformer, Sprichwortsammler

Agricolas eigentlicher Name war Sneider (Schneider, Schnitter). Er wurde am 20. April 1492 oder 1494 in Eisleben geboren und starb am 22. September 1566 an einer pestartigen Krankheit in Berlin.
Seine Schulbildung erhielt er bei den Franziskanern in oder bei Braunschweig, studierte 1509/10 in Leipzig. Nach Beendigung des Studiums mit dem Erwerb des ersten akademischen Grades, des Baccalaureats, war er wahrscheinlich in Braunschweig als Lehrer tätig.
Im Frühjahr 1516 immatrikulierte er sich abermals, diesmal an der aufblühenden Wittenberger Universität und wurde dort bald glühender Anhänger seines Lehrers Martin Luther.
Im Jahre 1521 begann Agricola ein Medizinstudium. Auf Drängen seiner Frau und des Reformators Justus Jonas brach er dieses Studium ab und wirkte wieder als Theologe.
Am 12. April 1523 verkündete Martin Luther „Magister Islebius“ werde am nächsten Tag predigen.
Viele Wege gingen die beiden Theologen gemeinsam. So war Agricola sowohl beim Thesenanschlag als auch bei der Verbrennung der Bannandrohungsbulle zugegen. Während der Leipziger Disputation 1519 war Agricola Luthers Schriftführer. In das freundschaftliche Verhältnis wurde bald Philipp Melanchthon (1497 – 1560) mit einbezogen. Beide erwarben 1519 das theologische Bakklaureat, heirateten im gleichen Jahr (1520) und erweiterten den familiären Umgang später auf die Familie Martin Luthers.
1524 erschien Luthers erste ausführliche pädagogische Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“.
Neben den Städten Magdeburg, Nordhausen, Halberstadt und Gotha war es im August 1525 Eisleben, der Geburtsort von Martin Luther und Johann Agricola, in dem auf Bitten des Grafen Albrecht IV. von Mansfeld-Hinterort eine Schule eingerichtet wurde.
Ihr erster Rektor und gleichzeitig Prediger an St. Nicolai wurde Johann Agricola.
Bereits im April 1525 reiste Martin Luther zusammen mit Philipp Melanchthon und Johann Agricola nach Eisleben, um eine Schulgründung vorzubereiten. Jedoch erst nach den Bauernunruhen konnte Johann Agricola im August 1525 mit seiner Familie von Wittenberg nach Eisleben aufbrechen und beginnen, dem protestantischen Experiment Schule erste Gestalt zu verleihen.
Agricola predigte mit großem Erfolg vor den Pfarrern im Mansfelder Land, schuf die erste evangelische Schulordnung, sein Psalmlied „Fröhlich wollen wir Halleluja singen“ wurde ebenso wie sein Choral „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“in das erste Wittenberger Gemeindegesangbuch aufgenommen.
Nach der Rückkehr Agricolas in seine Heimatstadt Eisleben wird der freundschaftliche Verkehr der Familien fortgesetzt. So tröstet z. B. Martin Luther die Frau Agricolas während einer Krankheit in einem herzlichen Schreiben: „Der Ehrhaftigen vnd tugentsamen frauen Elizabeth Agricola, Schulmeisterin zu Eisleben, meiner liebenn freunden.
… Du mußt aber nicht so kleinmutig vnd verzcage sein, sondern dencken, das Christus nahe ist vnd hilfft dir dein vbel tragenn …
Grusse deinen Magister, vnd alle deinen von vnser aller wegenn.
Am Pfingstmontag 1527 Marthinus Luther.

Magister Islebius, von Luther – wohl wegen seines kleinen Wuchses – auch Grickel genannt, blieb neun Jahre in seinem Heimatort als Schulrektor der „christlichen Schule“. Veröffentlichte zusammen mit dem Wittenberger Universitätsprofessor Hermann Tulich in Eisleben eine Schulordnung für eine deutsche Schule, die inhaltlich auf Lehrpläne von Philipp Melanchthon zurück geht.
Wie in Melanchthons Visitationsartikeln geschieht die Einteilung der Schüler in drei Klassen oder „Haufen“. Agricola selbst unterrichtete in der mittleren und oberen Klasse und übernahm – sofern er nicht auf Reisen war – den Religionsunterricht. Er begleitete den sächsischen Kurfürsten Johann den Beständigen (1525 – 1532) als Prediger zu den Reichstagen, setzte sich mit dem Doppelkonvertiten Georg Witzel an der St. Andreaskirche auseinander und verfasste zahlreiche eigene Schriften.
1527 geriet Agricola jedoch mit Melanchthon und 1537 mit Luther über die Rechtfertigungslehre (Buße, Dekalog) in einen theologischen Streit, der letztlich zum Zerwürfnis führen sollte.
In die deutsche Literaturgeschichte ist Agricola durch seine Sprichwortsammlung eingegangen, die er in Eisleben mehrmals vervollständigte und auflegte.
1534 erschien sie unter dem Titel Sybenhundert und Funfftzig Teutscher Sprichwörter, verneuwert und gebessert.
1536 verließ Agricola wegen Unstimmigkeiten mit Graf Albrecht IV. von Mansfeld-Hinterort (1480-1560) seinen Geburtsort Eisleben und kehrte nach Wittenberg in das Zentrum der Reformation zurück.
Seine ganze Familie – Elisabeth und Johann Agricola hatten 1536 neun Kinder - wurde von Luther aufgenommen..
Agricola beteiligte sich an den Vorverhandlungen zu den „Schmalkaldischen Artikeln“ und unterschrieb diese vorbehaltlos. Während seiner Reise nach Schmalkalden vertraute Luther in Wittenberg Agricola „Lehre, Kanzel, Weib und Kind“ an.
Trotz aller Verbundenheit endete 1537 die Freundschaft der drei Reformatoren.
Sie zerbrach im sog. Antinomerstreit, bei dem Agricola seine Meinung verteidigte, wahre Buße käme aus dem Glauben und nicht aus dem Gesetz.

Offenbar angezogen vom konfessionell vermittelnden Reformationsansatz unter Kurfürst Joachim II. von Brandenburg wandte er sich nun nach Berlin. Hier wurde er zum Oberhofprediger, Generalsuperintendant und Visitator ernannt. Kaiser Karl V. berief ihn 1548 auf dem Reichstag in Augsburg in die geheime Kommission. Diese setzte sich aus Mitgliedern der beiden Religionsparteien zusammen und hatte die Aufgabe, einen Entwurf für die vorläufige Ordnung der Religionsverhältnisse zu erarbeiten. Es war Johann Agricola, dem es gelang im Augsburger Interim von 1548 eine Lösung zu finden. Ihm fiel die undankbare Aufgabe zu, die Kapitulationsurkunde der Besiegten zu unterzeichnen. Damit verhalf Agricola noch vor dem Augsburger Religionsfrieden der Reformation Anerkennung durch Kaiser und Reich.
Die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte Agricola in seinen Ämtern in Brandenburg, ohne jedoch darauf zu verzichten, sich in aktuellen theologischen Auseinandersetzungen zu Wort zu melden. Als 1566 die Pest in Berlin wütete, ist Johann Agricola am 22. September gestorben. Sein Sohn, Magister Johann Agricola junior Eisleben wurde 1574 zum Bürgermeister von Berlin gewählt, das zu dieser Zeit noch nicht mit der Schwesterstadt Cölln vereinigt war. Am 18. Februar 1575 legte Johann Agricola Eisleben den Bürgermeistereid ab und trat sein Amt an, das er bis zu seinem Tod am 19. Oktober 1594 ausübte.

Zwanzig Jahre verband Martin Luther und Johann Agricola eine tiefe Verbundenheit. Ähnlich wie Justus Jonas, Johannes Bugenhagen oder Thomas Müntzer war Agricola zunächst glühender Verehrer und Anhänger Luthers, brachte dann aber im Verlaufe der Reformation wie die anderen Weggefährten Luthers auch eigene Akzente ein. Ihr Lutherverständnis allerdings wurde zum Maßstab für die Beurteilung ihrer Lebensleistung. Deutlich wird im späteren Verhältnis Martin Luthers und Johann Agricolas auch, wen Luther einmal mit einem Verdikt belegt und das ist bei „Magister Islebius“ mit aller Schärfe geschehen, der wurde in der Reformationsgeschichte kaum noch beachtet.