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Feierliches Gedenken an den 17. Juni 1953 in der Lutherstadt Eisleben

Am Donnerstag, dem 17.07.2021, wurde durch den BSV – VOS, vertreten durch Herrn Wendt, an der Gedenktafel des 17. Juni 1953 an die Opfer dieses Tages gedacht.
Seit vielen Jahren dabei ist auch der Zeitzeuge Ehrhardt Schmidt aus der Lutherstadt Eisleben, der sich seit vielen Jahren darum bemüht, dass dieser Tag in der Lutherstadt Eisleben nicht vergessen wird.
Im Jahr 2003 setzte sich Herr Schmidt dafür ein, dass am Marktberg eine Erinnerungstafel angebracht wird. Mit zahlreichen Publikationen bemühte er sich, dass dieser Tag und vor allem die Hintergründe und die Ereignisse, die mit diesem Tag verbunden sind, in den Schulen des Landkreises behandelt werden. In seinem Buch „Vergangen Ja, Vergessen Nein“ gibt Schmidt eindrucksvoll einen Rückblick auf sein Leben, in dem der 17. Juni 1953 einen besonderen Stellenwert einnimmt.
Dieses Buch und zwei weitere Bücher, die die Ereignisse um den 17. Juni 1953 wissenschaftlich betrachten, übergab Herr Schmidt dem Bürgermeister Carsten Staub mit der Bitte, diese Bücher dem Archiv zur Aufbewahrung zu übergeben.
In seiner sehr emotionalen Rede ließ Carsten Staub die Ereignisse vor 68 Jahren noch einmal für alle Anwesenden Revue passieren.
„Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, Teil einer demokratischen Gesellschaft zu sein. Ich kann es nicht genug betonen und ich bin zutiefst dankbar: wir leben in einer beispiellos demokratischen Zeit. In der jeder seine Meinung frei äußern kann. Jeder. Ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Das war 1953 nicht so. Und auch nicht 1989. Dessen sollten wir uns immer bewusst sein. Es ist wichtig für die freiheitlich demokratische Grundordnung einzustehen und zu kämpfen“, betonte der Bürgermeister.
            

Hintergrund:(Red.)
Im Juni 1953 herrschte in Berlin im sowjetisch besetzten Sektor und der Zone ein gespanntes Klima. Die SED - Regierung hatte wieder einmal die Normen für die zu erbringenden Arbeitsleistungen der "Werktätigen" erhöht und damit den Bogen überspannt.
Nach ersten Arbeitsniederlegungen am 15. Juni brach am 17. Juni 1953 der Volksaufstand in der SBZ ("DDR") aus. Parteihäuser gingen in Flammen auf, Haftanstalten wurden gestürmt und die Gefangenen befreit. Einige "Volkspolizisten" warfen demonstrativ ihre Uniformjacken weg und mischten sich unter Beifall unter die Demonstranten.
Unter Beschuss, aber unter tosendem Beifall, wurde die verhasste rote Fahne vom Brandenburger Tor geholt.
Am 17. Juni, 13.00 Uhr, wurde durch die sowjetische Militärkommandantur über Ost - Berlin und 167 der 217 Stadt- und Landkreise der SBZ der Ausnahmezustand verhängt und das Standrecht erklärt.
Der Volksaufstand wurde innerhalb weniger Stunden durch die sowjetische Besatzungsarmee niedergeschlagen und in Blut und Tränen erstickt.
Mindestens 125 Menschen wurden erschossen oder hingerichtet, darunter 41 Sowjetsoldaten, die sich weigerten, auf Deutsche zu schießen.
Rund 25.000 Deutsche aus Ost und West wurden nach dem 17. Juni verhaftet und teils zu hohen Haftstrafen verurteilt.