Seit 90 Jahren Schuhhandwerk in Eisleben
Die Geschichte des Familienunternehmens Junkel ist sicher schon oft erzählt worden. Dennoch beeindruckt sie immer wieder durch ihre außergewöhnliche Kontinuität. Seit inzwischen neun Jahrzehnten steht der Name Junkel für handwerkliche Qualität, Innovationsgeist und familiäre Tradition.
Den Grundstein legte Karl August Junkel am 28. Juni 1936 mit der Eröffnung der „Schuhreparatur Hansa“ in Eisleben. In den ersten Jahren konzentrierte sich das Unternehmen ausschließlich auf die Reparatur von Schuhen. Damals wurden noch Holznägel verwendet – ein Detail aus der Firmengeschichte, das im Jubiläumsjahr eine besondere Rolle spielte.
Anlässlich des 90-jährigen Bestehens veranstaltete die Firma vom 1. Juni bis 2. Juli 2026 ein Gewinnspiel. In einem Glas befand sich eine große Menge historischer Holznägel, deren Anzahl die Besucher schätzen sollten. Wer der tatsächlichen Zahl am nächsten kam, nahm an der Verlosung von 90 Preisen teil. Zu gewinnen gab es unter anderem Einkaufsgutscheine, Taschen, Rucksäcke, Geldbörsen und viele weitere attraktive Sachpreise.
In den 1960er-Jahren übernahmen Horst und Wolfgang Junkel in zweiter Generation den Familienbetrieb. Mit dem wirtschaftlichen Wandel jener Zeit standen sie vor großen Herausforderungen. Das Wirtschaftssystem der DDR und die staatlichen Kontrollmechanismen schränkten unternehmerische Freiheiten erheblich ein. Dennoch gelang es der Familie, den Betrieb erfolgreich weiterzuführen.
1988 trat mit Hartmut Junkel die dritte Generation die Unternehmensnachfolge an. Er erweiterte das Angebot um die Orthopädieschuhtechnik – eine Entscheidung, die sich schon kurze Zeit später als richtungsweisend erweisen sollte. Nach der politischen Wende 1990 brach das klassische Schuhreparaturgeschäft stark ein. Dank des bereits aufgebauten Bereichs der Orthopädieschuhtechnik konnte das Unternehmen diesen Wandel jedoch erfolgreich meistern.
Mit der Öffnung der Märkte eröffneten sich neue Perspektiven. Die Firma Schuh – Junkel GmbH nutzte die Chancen konsequent, erschloss neue Geschäftsfelder und entwickelte sich kontinuierlich weiter. Neben dem Verkauf hochwertiger Schuhe investierte das Unternehmen in moderne Fertigungstechniken und digitale Messtechnik. Die Einführung computergestützter Fußdruckmessungen und später dreidimensionaler Vermessungssysteme verbesserte die Versorgung der Kunden erheblich.
Das Wachstum spiegelte sich auch räumlich wider. Im Jahr 2001 eröffnete die erste Filiale in Halle (Saale), 2007 folgte ein weiterer Standort in Hettstedt. Seit 2016 ist das Unternehmen mit einer zweiten Filiale in Halle vertreten und beschäftigt heute insgesamt 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mit Mathias Junkel, Orthopädieschuhmachermeister, und seiner Schwester Katrin Kraatz, Fachwirtin des Handwerks, führt inzwischen die vierte Generation die Geschicke des Familienunternehmens. Seit 2013 wurde umfangreich in moderne Maschinen, digitale Arbeitsabläufe und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen investiert. Davon profitieren sowohl die Beschäftigten als auch die Kundschaft.
Am Stammsitz in der Vikariatsgasse in der Lutherstadt Eisleben wurden unter anderem neue Schleif- und Ausputzmaschinen angeschafft. Moderne 3D-Vermessungssysteme ermöglichen heute eine exakte Analyse der Füße. Trotz aller technischen Möglichkeiten bleibt eines unverändert, die Herstellung eines orthopädischen Maßschuhs ist und bleibt echte Handarbeit, die viel Erfahrung, Präzision und handwerkliches Können erfordert.
Davon konnten man sich bei einer Führung durch die Werkstatt überzeugen. Besonders beeindruckend ist jedoch auch der Verkaufsraum. Dort steht mit dem „iSUN3D FLX2“ ein moderner Hochgeschwindigkeits-3D-Drucker, der innerhalb von rund einer Stunde passgenaue Rohlinge für orthopädische Einlagen fertigt. Nach mehreren weiteren Arbeitsschritten entstehen daraus individuell angepasste Einlegesohlen – eine gelungene Verbindung von traditionellem Handwerk und modernster Technik.
Die Firma Junkel bietet ihren Kunden ein umfassendes Leistungsspektrum – von der kompetenten Beratung über die digitale Vermessung der Füße bis hin zur Anfertigung orthopädischer Maßschuhe. Schuhgröße, Weite, Fußform und alle weiteren individuellen Merkmale werden präzise erfasst, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.
Wer sich einmal bei Junkel ein Paar Maßschuhe anfertigen lässt, bleibt dem Unternehmen oft viele Jahre verbunden. Nach dem Vermessen wird mithilfe moderner CNC-Technik ein individueller Leisten aus Holz gefertigt – gewissermaßen eine exakte Kopie des Fußes. Dieser dient als Grundlage für den maßgeschneiderten Schuh. Nach der Auslieferung wird der Leisten sorgfältig archiviert und kann bei späteren Nachbestellungen oder Anpassungen erneut verwendet werden.
Am 30. Juni 2026 gratulierte der Bürgermeister der Lutherstadt Eisleben, Carsten Staub, den Firmeninhabern persönlich zum 90-jährigen Jubiläum. Er würdigte die langjährige Verbundenheit des Unternehmens mit der Stadt und betonte:
„Die Lutherstadt Eisleben und ich persönlich bedanken uns für die zuverlässige und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Erfolg sowie für die Zukunft alles Gute.“
Und wie geht es weiter?
Auch diese Frage ist im Hause Junkel längst beantwortet. Mit Theo Junkel steht bereits die fünfte Generation in den Startlöchern. Der Sohn von Mathias Junkel beginnt im August dieses Jahres seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher und setzt damit die Familientradition fort. So scheint bereits heute gesichert, dass das Unternehmen, das einst sein Ururgroßvater gründete, auch in Zukunft erfolgreich weitergeführt wird.
Neun Jahrzehnte Firmengeschichte zeigen eindrucksvoll, dass handwerkliche Qualität, Innovationsbereitschaft und familiärer Zusammenhalt die besten Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg sind.
Der Familie Junkel wünschen wir weiterhin unternehmerisches Geschick, zufriedene Kunden und viele erfolgreiche Jahre – damit die Geschichte dieses traditionsreichen Handwerksbetriebes noch lange weitergeschrieben wird.