Wiederinbetriebnahme des Knappenbrunnens
Der Knappenbrunnen im Herzen der Lutherstadt
Seit dem 8. Juni 2026 lässt der Knappenbrunnen in der Sangerhäuser Straße, unmittelbar vor der historischen „Alten Bergschule“, wieder sein beruhigendes Plätschern erklingen.
Nach einer umfangreichen Sanierung des Brunnenbeckens und einer vollständigen Erneuerung der technischen Anlagen hat Bürgermeister Carsten Staub den Wasserfluss offiziell wieder in Gang gesetzt.
"Im Zuge der Arbeiten wurden sämtliche Fliesen im Inneren des Beckens erneuert. Der gesamte Bodenaufbau wurde aufgenommen, nach heutigem Standard neu abgedichtet und anschließend fachgerecht wiederhergestellt. Fugen der Treppen vor dem Brunnen wurden erneuert. Darüber hinaus erfolgte die Erneuerung der wasserführenden Leitungen. Im Wasserkreislauf wurde eine moderne Filteranlage installiert und mit einer leistungsfähigen Pumpe ausgestattet. Auch die elektrische Steuerung ist vollständig erneuert, sodass sich der Wasserstand künftig automatisch reguliert", betonte Jörg Gottschling vom Gebäudemanagement der Lutherstadt Eisleben.
Die gesamte Anlage ist so konzipiert, dass der Brunnen parallel zum Erklingen des Steigerliedes „Glück Auf“ (09:00 Uhr) erwacht und täglich gegen 21:30 Uhr seinen Betrieb einstellt. Die dafür erforderliche Technik befindet sich in einem unterirdischen Maschinenraum außerhalb des Brunnenbeckens.
Mit der Sanierung wurden die Firmen Heinrich Schmid Heizung, Sanitär und Klempner e.G. Eisleben (HSK), Ahnert Metallbau und Schwimmbadtechnik UG & Co. KG sowie die Elektro Ehrt GmbH beauftragt.
Der Knappenbrunnen zählt zu den markantesten Zeugnissen der Bergbaugeschichte der Lutherstadt Eisleben. Er wurde am 30. April 1983 vom damaligen VEB Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“ gestiftet.
Im Jahr 1983 wurde in der Lutherstadt Eisleben der 500. Geburtstag Martin Luthers, des wohl bekanntesten Sohnes der Stadt, feierlich begangen. Das Lutherjahr erinnerte an dessen Geburtstag und Taufe am 10. beziehungsweise 11. November 1483 in Eisleben. Bemerkenswert ist, dass dieses Jubiläum sowohl in der DDR – insbesondere in seiner Geburtsstadt Eisleben – als auch in der Bundesrepublik Deutschland mit zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen gewürdigt wurde.
Der Entwurf des Brunnens stammt vom Quedlinburger Bildhauer Wolfgang Dreysse. Die achteckige Anlage erinnert bewusst an den älteren Brunnen „Arche“, der sich bis etwa 1950 an gleicher Stelle befand. Nach dessen Beseitigung wurde der Platz umgestaltet und mit Blumenarrangements sowie Informationstafeln versehen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die auf dem Beckenrand angeordneten Bronzefiguren. Sie stellen typische Vertreter des Berg- und Hüttenwesens dar und würdigen damit die jahrhundertelange Tradition des Mansfelder Kupferschieferbergbaus.
Wer den Knappenbrunnen umrundet, begegnet dem Knappschaftsältesten, einem Hüttenschmied, einem Bergmaurer, einem Schmelzer, einem Hauer, einem Bergsänger, einem Bergrichter sowie einem Treckejungen. Über seine Figuren schrieb Wolfgang Dreysse einst:
„Wenn sie auch in der Kleidung und durch das Werkzeug historisch erscheinen, so sind sie durch Gestik und Gesichtsausdruck ganz gegenwärtig, so lebendig wie der Mann auf der Straße.“
Damit verbindet der Knappenbrunnen auf eindrucksvolle Weise Geschichte und Gegenwart, Tradition und Identität.
1983 wie auch 2026 steht der Brunnen für das Selbstverständnis einer Stadt, die ihre bergmännischen Wurzeln bewahrt und zugleich den Blick in die Zukunft richtet.
Mit seiner Wiederinbetriebnahme kehrt nicht nur ein beliebtes Wasserspiel in die Innenstadt zurück, sondern zugleich ein Stück Stadtgeschichte, das seit mehr als vier Jahrzehnten an die bergmännische Tradition der Stadt Eisleben erinnert.
„Vielleicht wird der Knappenbrunnen eines Tages sogar um einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen ergänzt. Denn auch wenn dies vielen selbstverständlich erscheinen mag: Das Wasser des Knappenbrunnens ist kein Trinkwasser.“Red.