Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg 30 Jahre, 6 Stätten, ein Welterbe
Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg feiern die Eintragung in die Welterbeliste im Jahr 1996 – umfangreiches Festprogramm
30 Jahre, 6 Stätten, ein Welterbe: Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg feiern mit einem Festprogramm die Eintragung als Weltkulturerbe im Jahr 1996. Darüber wurde am Montag, dem 01.06.2026 in der Magdeburger Staatskanzlei informiert. Kooperationspartner sind die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg, die evangelische Kirche und touristische Institutionen der Region.
Zum Auftakt des 30-jährigen Jubiläums findet am Samstag, 20. Juni, ein großes Bürgerfest mit Musik, Mitmachangeboten und vielen weiteren Höhepunkten rund um Luthers Sterbehaus in Eisleben statt. Beginn ist 13:00 Uhr.
Am Sonntag, 21. Juni, wird um 10:00 Uhr in Luthers Taufkirche St. Petri und Pauli Eisleben ein Festgottesdienstmit Landesbischof Friedrich Kramer von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gefeiert.
Informationen zum weiteren Programm in Wittenberg und Eisleben finden Sie unter https://lutherstadt-wittenberg.de/veranstaltungen/30-jahre-unesco-welterbe.
Anlässlich des Jubiläums erscheint ein neuer 0-Euro-Schein, der die Welterbestätten in Lutherstadt Wittenberg und Lutherstadt Eisleben würdigt. Der beliebte Sammlerschein ist in zwei limitierten Varianten u. a. in den Tourist-Informationen Wittenberg und Eisleben für 4 Euro (mit Silberhologramm) oder für 6 Euro (mit Goldhologramm) pro Stück erhältlich.
Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt sagte: „Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg gehören zu den bedeutendsten Erinnerungsorten der Reformation weltweit. Ihre Anerkennung als UNESCO-Welterbe vor 30 Jahren war und ist eine Würdigung ihrer herausragenden historischen und kulturellen Bedeutung. Das Jubiläum bietet die Gelegenheit, dieses einzigartige Erbe neu zu entdecken und zu erfahren. Die Reformation und ihr Geschichte wirkt bis heute identitätsstiftend, in Sachsen-Anhalt und jenseits unserer Landesgrenzen.“
Zu den Luthergedenkstätten gehören die Museen Luthers Geburtshaus und Luthers Sterbehaus in Eisleben sowie das Lutherhaus, das Melanchthonhaus, die Stadtkirche St. Marien und die Schlosskirche in Wittenberg. Im Dezember 1996 hat die UNESCO die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg als Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die Gebäude repräsentieren „einen bedeutsamen Abschnitt in der menschlichen Geschichte“ und sind „als authentische Schauplätze der Reformation von außergewöhnlich universeller Bedeutung“, so die Begründung.
Im Rahmen des Jubiläums steht, beginnend mit dem 7. Tag eines Monats, vom 7.Juli bis Dezember, jeweils eine andere Welterbestätte im Mittelpunkt. Damit wird an den Tag der Eintragung in die Welterbeliste am 7. Dezember 1996 erinnert. Zum Programm gehören Events, Sonderführungen, Konzerte, Vorträge und Mitmachangebote. Auch der Brief Luthers an Kaiser Karl V., der zum Weltdokumentenerbe zählt und in der Regel im Depot der LutherMuseen aufbewahrt wird, soll im Augusteum Wittenberg und im Sterbehaus Eisleben an jeweils einem Tag im Original präsentiert werden. Die genauen Termine dafür werden noch bekanntgegeben. Zum Finale ist Anfang Dezember ein Festakt in Wittenberg geplant.
ZITATE ZUR PRESSEKONFERENZ IN DER STAATSKANZLEI MAGDEBURG
Dr. Thomas T. Müller, Vorstand Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
„Auf dieses wichtige Jubiläum dürfen alle Menschen in unserer Region stolz sein. Da dies vor drei Jahrzehnten vielleicht etwas kurz kam, möchten wir nun noch einmal feiern mit den Menschen in den Lutherstädten Sachsen-Anhalts und mit unseren Partnern aus den Kommunen, aus dem Tourismus und der Evangelischen Kirche. Unser Programm ist wirklich vielfältig und hält Angebote für alle Generationen und Interessen bereit, von Sonderführungen für besonders Wissensdurstige bis zu Kinderangeboten, von Konzerten bis zum Familienfest. Ein besonderer Höhepunkt ist das Bürgerfest am 20. Juni in Eisleben. Nicht zu vergessen unsere Ausstellungen, die auf je eigene Weise die Bedeutung Luthers und Philipp Melanchthons sowie der Reformation im Allgemeinen bis in unsere heutige Zeit beleuchten.“
Torsten Zugehör, Oberbürgermeister Lutherstadt Wittenberg
„Das Jubiläum macht deutlich, wie eng Eisleben und Wittenberg als Lutherstädte miteinander verbunden sind. Mit dem Festakt und den zahlreichen Programmpunkten in beiden Städten feiern wir gemeinsam 30 Jahre UNESCO-Welterbe – und damit ein Stück Weltgeschichte, das hier bei uns lebendig bleibt.“
Carsten Staub: Bürgermeister Lutherstadt Eisleben
"Die Aufnahme in das Weltkulturerbe prägt unsere Stadt bis heute. Darauf können wir stolz sein. Zugleich muss Welterbe lebendig bleiben und Orte schaffen, an denen Menschen sich begegnen und sich mit ihrer Stadt identifizieren. Junge Menschen sollen sagen: Das ist meine Stadt. Sie gehört zu mir. Darin liegt unsere Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte: Nicht nur Gebäude zu erhalten, sondern Begeisterung weiterzugeben. Der Welterbetitel ist deshalb Verpflichtung und Chance zugleich."
Pfarrerin Birgit Neumann-Becker, Direktorin Predigerseminar Wittenberg an der Schlosskirche
„Rund 150.000 Gäste aus aller Welt besuchen jährlich die Schlosskirche in Wittenberg als zentralen reformationsgeschichtlichen Ort, der an 364 Tagen im Jahr geöffnet ist. Es ist mir wichtig, dass unsere Gäste Informationen über die Reformationsgeschichte erhalten und dass die Kirche auch als sakraler Ort mit der Möglichkeit des persönlichen Gebets, in Andachten, Gottesdiensten und geistlichen Konzerten erlebbar ist. Die Schlosskirche Wittenberg ist Welterbestätte, Gotteshaus und dabei Ausbildungskirche für Vikarinnen und Vikare aus drei ostdeutschen Landeskirchen. Diese verschiedenen Formen der Nutzung ergänzen sich auf das Schönste.“
Jochen Kirchner, Vorsitzender Gemeindekirchenrat Stadtkirchengemeinde Wittenberg
„In der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg predigten der Reformator Martin Luther sowie als erster evangelischer Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen. Bei uns begann die Tradition der evangelischen Gottesdienste in deutscher Sprache. Die Wiege des Gemeindegesangs ist in unserer Gemeinde. Das Abendmahl mit Brot und Wein wurde zuerst hier ausgeteilt. Zugleich birgt die Kirche Kunstwerke aus neun Jahrhunderten, wie zahlreiche Werke aus der Werkstatt von Lucas Cranach. Unsere Kirche ist offen für Menschen aller Konfessionen und Glaubensrichtungen ebenso wie für Konfessionslose.“
PROGRAMM DES BÜRGERFESTES AM 20. JUNI
Die LutherMuseen und die Stadt Eisleben laden mit einem großen Bürgerfest in Luthers Sterbehaus und im Vikariatsgarten (Andreaskirchplatz 7) am 20. Juni dazu ein, das 30-jährige UNESCO-Jubiläum der Luthergedenkstätten zu feiern. Auf dem Programm steht unter anderem Musik mit überregional bekannten Bands wie die „Barbarossa Pipes & Drums“ (14 Uhr) und „Golden Mary“ (19 Uhr). Dr. Thomas T. Müller, Vorstand der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, und der Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz, André Schröder, eröffnen das Fest gegen 14 Uhr.
Zum Fest gibt es kreative Mitmachangebote für die ganze Familie mit Kinderschminken, Mosaiklegen und Siebdruck sowie ein musikalisches Kinderprogramm mit Toni Geiling (13 Uhr). Ebenso ist für ein breites kulinarisches Angebot gesorgt, zu dem u. a. die Polleber Landfrauen mit selbstgebackenem Kuchen beitragen. Der Frauenchor Volkstedt unterhält mit einem klassischen Programm zum Mitsingen (15 Uhr), erwartet wird auch der Partychor „MSH singt“ mit Live-Band (16 Uhr).
FESTAKT AM 20. JUNI
Um 11 Uhr beginnt am 20. Juni in der Kirche St. Andreas Eisleben ein Festakt für geladene Gäste. Die Festrede wird Rainer Robra halten, Staatsminister, Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Die künstlerische Ausgestaltung übernehmen das Theater Eisleben und Mitglieder des Landesakkordeonensembles Sachsen-Anhalt. Im Anschluss an den Festakt wird sich Minister Robra im Rathaus Eisleben in das Goldene Buch der Stadt eintragen.
Die LUTHERGEDENKSTÄTTEN in Sachsen-Anhalt
Die Luthergedenkstätten gehören zu den frühesten Museen in Deutschland, die einer Person, ihrem Wirken und Nachleben gewidmet sind. Luthers Geburtshaus in Eisleben ist seit 1693 Gedenkstätte, im Sterbehaus wurde 1894 ein Museum eingerichtet. Hier hat der Reformator seine letzten Lebenstage verbracht. Das ursprüngliche Sterbehaus und das originale Geburtshaus sind nicht mehr erhalten.
Das Gebäude des Augustinerklosters in Wittenberg, das heutige Lutherhaus, in dem der Reformator mit seiner Familie lebte, war schon kurz nach Luthers Tod Ziel von Besucherinnen und Besuchern. So wurde die Lutherstube bereits 1655 als „Museum Lutheri“ bezeichnet, bevor 1883 das Haus unter dem Namen „Lutherhalle" als Museum eröffnet wurde.
Eine weitere wichtige Erinnerungsstätte der Reformation ist das ehemalige Wohnhaus des Humanisten und Reformators Philipp Melanchthon, das fast unverändert erhalten geblieben ist. Melanchthon lebte und wirkte 42 Jahre lang in Wittenberg – so lange wie kein anderer Reformator.
Alle vier Museen befinden sich in Trägerschaft der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, die in der Öffentlichkeit unter dem Markennamen „LutherMuseen“ firmiert.
Die Stadtkirche St. Marien in Wittenberg ist der Ort, an dem Luther predigte und wo Anfang des 16. Jahrhunderts Gottesdienste in deutscher statt wie damals üblich lateinischer Sprache etabliert wurden. Sie ist das Gotteshaus der Wittenberger Stadtkirchengemeinde.
An der Tür der Schlosskirche Wittenberg wurden am 31. Oktober 1517 die 95 Thesen Martin Luthers veröffentlicht, die einen wichtigen Anstoß für die Reformation gaben. Die Schlosskirche befindet sich heute im Besitz der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie ist nicht nur geistliche Heimstatt der Schlosskirchengemeinde, sondern auch des traditionsreichen Evangelischen Predigerseminars.