Hermann von Luxemburg_Graf von Salm(um 1035-1088) Der Knoblauchkönig - Gegenkönig Heinrich IV.

An der Nordostecke des Eisleber Rathauses ist eine kleine Plastik ins Mauerwerk eingelassen, die ganz unscheinbar wirkt. Wer es nicht weiß, der läuft daran vorbei. Der Überlieferung nach, so behaupten viele Eisleber sei dies "Der Knoblauchkönig".
Wer war dieser Knoblauchkönig? Welche Rolle spielte er in der deutschen Geschichte?
Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir weit in die Geschichte zurückgehen. Im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts entbrannte ein erbitterter Kampf zwischen dem salischen Königshaus und den sächsischen Großen um die Macht. Verknüpft waren die Machtkämpfe mit dem Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst.
Im Jahre 1080 war der Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden gefallen. Sein Nachfolger Welf IV. Herzog von Bayern war von Heinrich IV. abgesetzt worden. So kam es, dass Hermann von Salm am 6. August 1081 in Ochsenfurt von wenigen schwäbischen und sächsischen Fürsten unter Führung Welf IV. zum Gegenkönig erhoben wurde. In Eisleben kam es zu einer förmlichen Nachwahl durch die sächsischen Großen. Am 26. Dezember 1081 wurde Hermann von Salm von Erzbischof Siegfried von Mainz in Goslar, d. h. auf sächsischen Boden gekrönt.
Er verbrachte wohl zwischen 1081 und 1084 als Gegenkönig Heinrich IV. einige Jahre auf der Eisleber Wasserburg.
Der Überlieferung nach soll in der näheren Umgebung der Wasserburg viel Knoblauch angebaut worden sein. Den unangenehmen Geruch des Knoblauchs muss vermutlich die ganze Gegend angenommen haben, darunter auch seine Residenz auf der Wasserburg. Deshalb soll er von seinen kaiserlichen Gegnern den Beinamen "Knoblauchkönig" erhalten haben.
Hermann von Salm errang kleinere militärische Erfolge bei Höchstädt (11. August 1081) und auf den Pleichfeld nordöstlich von Würzburg (11. August 1086) über die Anhänger Heinrich IV., die jedoch keine Veränderung des politischen Kräfteverhältnisses bewirkten. Der Einfluss des Gegenkönigs und seine militärische Macht blieben gering.
Als Mitte 1085 Kaiser Heinrich IV. selbst nach Sachsen kam, war der Abfall im Lager des Gegenkönigs nicht mehr aufzuhalten. Hermann musste zeitweise bei den Dänen Zuflucht suchen. Nach dem Tode Bischof Burchards von Halberstadt und dem Parteiwechsel Erzbischof Hartwigs von Magdeburg hatte Hermann von Salm jeden Rückhalt in Sachsen verloren. Er zog sich im Jahre 1088 nach Lothringen zurück.
Hermann verstarb am 28. September 1088 und wurde in Metz begraben.
Ob die kleine Plastik nun der Knoblauchkönig ist, bleibt im „Dunkeln“. Erwiesen ist, dass sie frühestens nach der Reparatur des Rathauses nach dem Stadtbrand im Jahre 1601 eingebaut wurde.


Wasserburg

Die Wasserburg – Residenz des Knoblauchkönigs

Das im Jahre 1065 erwähnte königliche Tafelgut wurde wohl im 12. Jahrhundert zur Burg und später zum Schloss umgebaut.
Bis zu der Feuersbrunst im Jahre 1601 diente es als Schloss der Grafen von Mansfeld-Vorderort.
Danach verfiel die Ruine allmählich. Um 1880 standen bereits nur noch Teile der Mauern und des Schlossturms.

Der Knoblauchkönig in der Sagenwelt

Kaiser Heinrich IV. entbot den Sachsen, wo sie seinen Sohn zum König wähleten, wolle er nimmermehr ziehen in Sachsenland. Aber die Leute hatten keine Lust, und sprach Herzog Otto von der Weser: "Ich habe je in der Welt sagen hören, von einer bösen Kuh kommt kein gut Kalb"; und sie koren zum Gegenkönig Herzog Hermann von Lothringen (Luxemburg), der ward vom Mainzer Bischof geweihet, und setzten ihn auf die Burg Eisleben, da der Knoblauch wächset. Die Kaiserlichen nannten ihn zum Spott Knoblauchkönig oder König Knoblauch, und er kam nie zur Macht, sondern wurde nachher auf einer Burg erschlagen, wohin er geflohen war. Da sagte man abermals: "König Knoblauch ist tot".(Grimm, Deutsche Sagen, NO. 490)