Hermann Größler (1840 - 1910) Gymnasiallehrer, Heimatforscher, Prähistoriker

Dr. Hermann Größler wird 1871 an das Eisleber Königlich-Preußische Gymnasium, das erst seit 1907 den Namen seines Gründers Martin Luther trägt, als Gymnasialoberlehrer berufen. 34 Jahre unterrichtete er als Fachlehrer für Deutsch, Erkunde, Geschichte, Latein, Religion und Hebräisch.
Daneben beschäftigte sich Hermann Größler verdienstvoll mit der Erforschung der Geschichte seiner Mansfelder Wahlheimat und hinterließ bei seinem Tod ein Lebenswerk, das 252 Titel umfasst.
Besonders hervorzuheben ist Größlers unermüdliche Arbeit in den unterschiedlichsten Vereinen und Kommissionen, besonders als Vorsitzender des Vereins für Geschichte- und Altertümer der Grafschaft Mansfeld hat er sich mit der Herausgabe der „Mansfelder Blätter“ seit 1887 bleibende Verdienste erworben.
Für immer wird Größlers Name mit dem frühbronzezeitlichen Fürstengrab im großen Galgenhügel am ehemaligen Paulsschacht bei Helmsdorf verbunden sein, denn dieses Grab hat auch mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entdeckung und Erstpublikation
durch Hermann Größler nichts von seiner Bedeutung für das Verständnis der mitteldeutschen Vorgeschichte verloren.

Hermann Größler wurde am 02. April 1840 in Naumburg als Sohn des Sekretärs am Apellationsgericht Johann Gottfried Größler geboren. Die Familie Größler, die bereits in fünfter Generation in der Saalestadt ansässig war, stammte aus dem Herzen Thüringens, aus der Gegend von Arnstadt und Stadtilm.
In seiner Vaterstadt besuchte Hermann Größler das Domgymnasium, um danach von Ostern 1859 bis Januar 1863 in Halle Theologie und Philosophie zu studieren. Der Tätigkeit als Hauslehrer in Hamburg schloss sich ab 1867 ein Studium der Pädagogik mit dem Erwerb der Lehrbefähigung in Berlin an.Dort erlangte er das Lehrerzeugnis
ersten Grades, das ihm die Lehrbefähigung für Religion, Deutsch, Geschichte und Erdkunde, Hebräisch, Griechisch und Latein zuerkannte. Außerdem wurde ihm das
Recht verliehen, philosophische Propädeutik zu lehren.
Seine Probezeit legte er am Gymnasium in Stargard (Pommern) ab und wurde 1870 in Jena mit einer Arbeit über den „Immerwährenden Reichstag in Regensburg“ zum Dr. phil. promoviert.
Nach einem Jahr als Lehrer am Luisenstädtischen Gymnasium in Berlin wirkte Hermann Größler am Königlich-Preußischem Gymnasium bis 1905 in Eisleben.
1883 wurde er zum Professor ernannt. Im gleichen Jahr hatte er den Umzug der „Schule bei Sankt Andreas in der Altstadt Eisleben“ in das 1883 eingeweihte Schulgebäude für das Gymnasium am Schlossplatz mit vorbereitet und wesentliche Anregungen für diesen Neubau gegeben. Vor allen Dingen aber stand Größler in der Tradition der Mansfelder Heimatforscher, die meist auch Lehrer oder Schüler dieser unmittelbar auf Martin Luther zurückgehenden Bildungsstätte waren. Erinnert sei nur an Cyriakus Spangenberg, Eusebius Francke, Albert Biering und Karl Krumhaar, auf deren Werke er ebenso wie auf die Arbeiten und Sammlungen von Carl Friedrich Ludwig Plümicke zurückgreifen konnte und die für ihn die Grundlage für sein systematisches Eindringen in unterschiedliche Bereiche der Heimatgeschichte des Mansfelder Landes wurden.

Bereits kurz nach Beginn seiner Eisleber Wirkungszeit arbeitete Größler eng mit dem Harzverein für Geschichte und Altertümer zusammen und veröffentlichte in dessen Zeitschrift zahlreiche Artikel, insbesondere zu Ortsnamen-, Siedlungs-, Wüstungs-, Glocken- und Siegelkunde des Mansfelder Landes.
Nach 1887 wurde jedoch mit der Begründung und Herausgabe der „Mansfelder Blätter“ des Geschichts- und Altertumsvereins der Grafschaft Mansfeld diese Zeitschrift sein Hauptbetätigungsfeld. Dort stellte er neben seinen archäologischen Vorhaben und Grabungsergebnissen, seinen Sagensammlungen, genealogischen Arbeiten zu den Mansfelder Adelsgeschlechtern, sowie literatur- und kunstwissenschaftlichen Überlegungen, auch seine Ergebnisse zur Erforschung der Eisleben Stadtgeschichte dar. Besonders mit seinen Quelleneditionen erzielte er beachtliche Ergebnisse, die auch für heutige Forscher noch unverzichtbar sind.
Hermann Größler gehörte ab 1892 der Provinzialkommission zur Erforschung und zum Schutze der Denkmäler der Provinz Sachsen an, ebenso war er Mitglied der „Historischen Kommission Sachsen“, in deren Auftrag er 1895 die „Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Mansfelder Seekreises,“ zusammen mit Adolf Brinkmann verfasste, gehörte außerdem dem Verwaltungsausschuss des Provenzial-Museums in Halle an, der die Gründung des heutigen Landesmuseums für Vorgeschichte vorbereitete. Leider konnte Größler den Beginn des ersten eigenen Museumsgebäudes für Vorgeschichte in Deutschland, das ab 1911 entstand, genauso wenig erleben wie die Eröffnung des Museums des Geschichts- und Altertumsvereines der Grafschaft Mansfeld am 1. Mai 1913 in Eisleben.
Auf dem Gebiete der Vorgeschichte hat ihn „die Aufdeckung und wissenschaftliche Würdigung des Fürstengrabes bei Helmsdorf in der gesamten Welt der prähistorischen Forschung“ –wie es in einer Gedächtnisrede auf ihn heißt – berühmt gemacht. Die Funde des sog. „Helmsdorfer Fürstengrabes“ werden heute – dank modernster Forschungsmethoden auf dem Gebiet der Archäologie im Landesmuseum für Vorgeschichte erforscht, um sie in eine Ausstellung zur Aunjetitzer Kultur zu integrieren.
Bereits wenige Tage nach dem unerwarteten Tod von Prof. Dr. Größler am 4. Februar 1910 wird sein Werk in der örtlichen Presse, dem Eisleber Tageblatt, zusammenfassend gewürdigt und voller Ehrfurcht schließt der Journalist: „Das Andenken des großen Gelehrten und Forschers, des edlen und guten Mannes, des christlich und vaterländisch denkenden und fühlenden und handelnden Bürgers wird hier und in den weitesten Kreisen bis in die fernsten Zeiten in Ehren und Segen bleiben.“
Und wenig später ehrte ihn die Stadt Eisleben. Die Grüne Gasse, in der Größler gewohnt hatte, bekam seinen Namen.