Martin Luther (1483-1546) Reformator, Sohn der Stadt Eisleben

Im übrigen bin ich in Eisleben geboren und dort in St. Peter getauft

Martin Luther an Georg Spalatin, 1520

10. November 1483 Geburt Martin Luthers in Eisleben, wenige Stunden nach der Geburt am 11. November Taufe in der Petri-und Pauli-Kirche auf den Namen des Tagesheiligen

Martin von Tours
(Museum Luthers Geburtshaus, Taufkirche)

1505  Mönch im Augustinereremitenkloster Erfurt
1511  endgültige Übersiedlung nach Wittenberg
1512  Doktor der Theologie
1515  Distriktsvikar der Augustinereremiten für Thüringen und Meißen
1515  Gründung eines Augustinereremitenklosters in der Neustadt von Eisleben, das Martin
Luther als Distriktsvikar seines Ordens wiederholt visitierte. 1520 tagte hier der Generalkonvent der Augustiner in Gegenwart des päpstlichen Legaten Carl von Miltitz. Johann Staupitz legte an diesem Ort sein Amt als Generalvikar der Augustiner nieder. Das Kloster wurde schon 1523 aufgelöst und hat so als einziges der Klöster im Mansfelder Land den Bauernkrieg überstanden. (St. Annenkirche)
1517  31. Oktober Thesenanschlag
1522  Erste Ausgabe des neuen Testamentes in deutscher Sprache (Septembertestament)
1525  16. April – 6. Mai 1525, Reise Martin Luthers in die Aufstandsgebiete des Bauernkrieges,

Schrift Luthers „Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft in Schwaben“, wohl im Garten des Kanzlers Johann Thür in Eisleben.
1525 Gründung der „christlichen Schule“ zu Eisleben, Martin Luther setzt seinen Schüler und Freund Johann Agricola (1494 - 1566), nach seinem Geburtsort Eisleben „Magister Islebius“ bezeichnet, als ersten Rektor ein. Der Lehrplan entstand unter dem Einfluss Philipp Melanchthons.

1534 Vollendung der Übersetzung des Altes Testaments; Veröffentlichung der ersten deutschsprachigen Gesamtausgabe der Bibel:

"Biblia, das ist, die gantze Heilige Schrift deutsch".
1546 Reise nach Eisleben, um im Streit der Mansfelder Grafen zu vermitteln. Martin Luther hält die vier letzten Predigten seines Lebens in der St. Andreaskirche in Eisleben. 
1546 16. Februar Unterzeichnung des sogenannten „Lutherschen Vertrages“ mit den Mansfelder Grafen. Legt u.a. die Gründung des Eisleber Gymnasiums fest.
1546 18. Februar Tod Martin Luthers in Eisleben


Martin Luther und seine Heimatstadt Eisleben

Die Stadt Eisleben ist der Hauptort der Grafschaft Mansfeld. Damit bestimmen die Mansfelder Grafen das Schicksal der Stadt.
Ebenso wichtig wie der Einfluss der Mansfelder Grafen für die Lebensumstände der Stadt war die Verlagerung des Abbaus und der Verarbeitung des Kupferschiefererzes im 15. Jahrhundert vom „Mansfeldischen „ auf den „Eißlebischen“ Berg, dem ein nie gekannter Aufschwung der Stadt in materieller, geistiger und kultureller Hinsicht folgte.
Zu diesem Zeitpunkt erlangte das Mansfelder Kupferrevier auf dem europäischen Markt überregionale Bedeutung. In den nach 1460 gegründeten Saigerschmelzhütten in Thüringen wurde das Mansfelder Rohkupfer zu Silber und Garkupfer verarbeitet und nahm seinen Weg über Amsterdam, Hamburg oder Venedig in den Orient oder nach Südeuropa.
Der Reichtum des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit spiegelt sich noch heute augenfällig in der Struktur und den wichtigsten Baudenkmalen der Stadt wieder.
Vom „Berggeschrei“ angelockt wurden auch Hans und Margaretha Luder aus dem Thüringischen Möhra, wahrscheinlich begünstigt durch verwandtschaftliche Beziehungen, denn die Mutter Luthers, Margaretha Lindemann, war mit dem obersten Bergverwalter in der Grafschaft Mansfeld Antonius Lindemann verwandt. Die Eltern Luthers siedelten im Petri-Viertel „trans aquam“ - also jenseits des Flüsschens – damals Wilder Bach genannt - , dessen Wasserkraft von den Hütten um Eisleben genutzt wurden.
Am 10. November 1483 gebar Margaretha Luder einen Sohn, und am Tag darauf wurde er in der wenige Schritte vom Geburtshaus entfernten St. Petri-und Pauli-Kirche auf den Namen des Tagesheiligen Martin von Tours getauft.
Am 18.Februar 1546 sollte sich Luthers Lebenskreis durch eine seltsame Fügung Gottes wieder in der Stadt schließen, in der er auch geboren wurde. Weit spannte sich dieser Kreis: Die Vorfahren waren Bauern im Thüringischen, der Vater Hüttenmeister und Bergbauunternehmer in geachteter Stellung im Mansfeldischen, Schule, Universität, Kloster, Professur, Worms, Coburg und immer wieder Wittenberg wurden Stationen eines Lebens, welches wie kaum ein anderes dieser Zeit europäische Dimensionen besitzt. Geprägt wurde dieses Leben besonders durch die Einflüsse aus dem Mansfelder Land.
Den sozialen Hintergrund des großen Refomators bildete in seiner Mansfelder Heimat die Beamtenschaft und das Bergunternehmertum. Es bestanden enge freundschaftliche Beziehungen zu den Räten Dr. jur. Johann Rühel und Dr. jur. Philipp Drachstedt, zu den Hüttenmeistern Jacob Luder, Nikolaus Oemler, Hans Reinicke und dem Gelehrten Philipp Gluehspieß, mit denen allen er auch verwandt war.
In einem Brief an Johann Rühel nennt Luther zum ersten Mal den Namen seiner zukünftigen Frau: Katharina von Bora.
Martin Luther war Zeit seines Lebens über die Vorgänge in der Grafschaft informiert, und sein Brief an die Grafen von Mansfeld vom 14. März 1542, der als Ermahnung an die Mansfelder Grafen gedacht war, wurde die Voraussage ihres eigenen Untergangs: „Denn E. Gnaden haben es zu bedenken, wenn solch ein Exempel sollte einreißen, den Untertanen ist es zu nehmen, was ihr eigen ist, so wird ein jeder Oberherr den Unterherrn auffressen, und wie der Edelmann den Bauern, also der Fürst den Edelmann und den Grafen“.
Auch Luthers Sprachschaffen ist maßgeblich von seiner Bindung zur ostmitteldeutschen Literatursprache geprägt, die ihre entscheidenden Impulse aus den Werken der Frauenmystikerinnen des Klosters Helfta/Eisleben empfangen hat.
Luthers letztes Werk sollte in seiner Heimat ein Versöhnungswerk werden. Die Mansfelder Grafen hatten ihn zur Schlichtung ihrer Streitigkeiten nach Eisleben gerufen.
In seiner Geburtsstadt hat Martin Luther neben den mißlichen Verhandlungen in den gräflichen Angelegenheiten, die er zusammen mit Justus Jonas zu einem guten Abschluss führen konnte, noch gepredigt, zwei Prediger ordiniert und in seinem letzten Brief an seine Frau Katharina von Bora schreibt er:
„Ich schicke Dir Forellen, so mir die Gräfin Albrichts geschenkt hat; die ist von Herzen froh der Einigkeit. Deine Sohnichen sind noch zu Mansfeld. Jacob Luther will sie wohl versorgen. Wir haben hie zu essen und zu trinken als die Herrn, und man wartet unser gar schön, und allzu schön, daß man euer wohl vergessen möchten zu Wittenberg.

Der Kreis von Luthers Leben schloss sich am 18. Februar 1546 in der Stadt, in der er auch geboren wurde.
Am 19. Februar wurde der Leichnam Martin Luthers in der Andreaskirche aufgebahrt und nach dem Trauergottesdienst unter dem geleit der Hohen Herren und des Volkes auf Geheiß des sächsischen Kurfürsten aus der Stadt gebracht.
Treffend drückt Martin Luther am Ende seines Lebens seine Gefühle in folgendem Satz aus : „Eisleben war mein Vaterland“.
So wird ein Gang durch die Stadt, die wie Wittenberg den Namen Lutherstadt trägt, auch in unseren Tagen eine Begegnung mit dem Reformator und seinem Wirken. Seit wenigen Monaten noch unterstrichen durch den innerstädtischen „ Lutherweg“ , der die Internationalen Bauaustellung 2010 begleitete.