Alwin Sörgel (1815 - 1875) Wortführer der Eisleber Demokraten 1848 und Mitbegründer des genossenschaftlichen Bankenwesens

Alwin – eigentlich Albin - Sörgel wurde am 26. Mai 1815 als Sohn eines Kaufmanns in Eisleben geboren. Sein Vater August Ernst Sörgel betrieb in seinem Haus Markt 54 ein Kolonialwarengeschäft.
Nach fünfjährigem Besuch des berühmten Eisleber Gymnasiums, begann er eine kaufmännische Lehre. 1837 eröffnete er ein Antiquitätengeschäft in Glogau. Acht Jahre später gab er seine Selbstständigkeit auf und wanderte nach Amerika aus. Bereits drei Jahre darauf kehrte Sörgel nach Eisleben zurück, um das Geschäft seiner Eltern zu übernehmen. Am 17. April 1848 gründete er den „Volksverein“ die Partei der Demokraten für dir Stadt und die Umgebung. Des Weiteren publizierte er in den demokratischen Zeitungen „Wahlzeitung für den Mansfelder Seekreis“ und „Volksblatt für die Grafschaft Mansfeld“. Im Jahre 1854 gründete Sörgel einen Eisleber Vorschussverein, aus dem zwei Jahre später die „Eisleber Diskontogesellschaft“ hervorging. Im Jahre 1864 folgte ein Umzug nach Berlin. Dort übernahm er die Leitung der neu gegründeten „Deutschen Genossenschaftsbank“. Nach Sörgels Plänen entstand der Giroverband der deutschen Genossenschaft.
Er starb im Alter von 60 Jahren in Berlin.
Nach fünfjährigem Besuch des berühmten Eisleber Gymnasiums, der „Schule bei St. Andrea Kirchen“, begann Alwin Sörgel eine kaufmännische Lehre. 1837 eröffnete er ein Antiquitätengeschäft in Glogau. Acht Jahre später gab er seine Selbstständigkeit auf und wanderte enttäuscht von der politischen Entwicklung in Preußen nach Texas aus. Bereits drei Jahre darauf kehrte er jedoch nach Eisleben zurück, um das väterliche Geschäft zu übernehmen, da sein Bruder verstorben war, dessen Witwe er später heiratete.
Die bekannten Heimatforscher Johannes Gutbier und Bodo Nickel gehen davon aus, dass zu Alwin Sörgels Spielgefährten auch Richard Wagner gehörte, der nach dem Tod seines Stiefvaters Ludwig Geyer zeitweise bei seinem Onkel Karl Geyer wohnte. Dieser besaß im Nebenhaus der Familie Sörgel, Markt 55, eine Goldschmiedewerkstatt. Außerdem würdigen sie Alwin Sörgel als einen „Eisleber Achtundvierziger“, denn dieser gründete am 17. April 1848 den „Volksverein“ die Partei der Demokraten für dir Stadt und die Umgebung. Des Weiteren publizierte er in den demokratischen Zeitungen „Wahlzeitung für den Mansfelder Seekreis“ und „Volksblatt für die Grafschaft Mansfeld“.
Wegen seiner politischen Tätigkeit wurde Alwin Sörgel mit neun weiteren Eisleber Persönlichkeiten vor Gericht angeklagt, jedoch vom Schwurgericht Halle freigesprochen.
Bleibende Verdienste erwarb sich Sörgel für das deutsche Bankwesen. Während der Ereignisse der Märzrevolution hatte er wohl auch Hermann Schulze Delitzsch, den Begründer des deutschen Genossenschaftswesen, kennen gelernt und wurde dessen Ratgeber in allen kaufmännischen und Bankfragen.
Schulze-Delitzsch gründet nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung 1850 den ersten „Vorschussverein“- den Vorläufer der heutigen Volksbanken. Unabhängig von Schulze-Delitzsch gründete Friedrich Wilhelm Raiffeisen gleichzeitig den ersten Hilfsverein zur Unterstützung der Not leidenden ländlichen Bevölkerung, den Vorläufer der heutigen Raiffeisenbanken.
Bald darauf gründete 1854 Sörgel den Eisleber Vorschussverein, aus dem zwei Jahre später die „Eisleber Diskontogesellschaft“ hervorging. Sie wurde 1862 in eine „Kommanditgesellschaft auf Aktien“ umgewandelt. Unter Sörgels Leitung wurde sie für Eisleben und Umgebung eine bedeutende Bank, die erst im schwierigen Wirtschaftsjahr 1919 mit der Commerzbank fusionieren musste.
Die ersten bescheidenen Büros hatte Alwin Sörgel im Markt 8. Die Diskontogesellschaft erbaute das Haus Plan 13. Sie firmiert dort nach dem Adressbuch von Eisleben aus dem Jahr 1876, „ mit den Bürostunden 8-12 Uhr Vormittags und 2-5 Uhr Nachmittags“. Legendär wird das Haus seit 1928 als Cafe Krawczyk.
Alwin Sörgel ist auch weiterhin im gesellschaftlichen Leben seiner Heimatstadt aktiv. So gehörte er 1864 zu den Gründungsmitgliedern des „Altertumsvereins der Grafschaft Mansfeld“ und wird später zum Ehrenvorsitzenden berufen. Der „Altertumsvereins der Grafschaft Mansfeld“ nutzte das von preußischen Fiskus 1862 erworbene Sterbehaus Martin Luthers bis zu dessen Eröffnung als Gedenkstätte 1894 und Sörgel finanziert die Möbel für die Bibliothek des Vereins.
Auch seine Stiftung „Sörgels Park“ in der Talschlucht der Bösen Sieben, westlich der Klippe, blieb in Eisleben lange in Erinnerung.
Alwin Sörgel blieb erster Direktor der Eisleben Diskontogesellschaft bis er am 1. Januar 1865 in Berlin die Leitung der neu gegründeten Deutschen Genossenschaftsbank übernahm. Bald veröffentlichte er zahlreiche Artikel zu Fachfragen des Genossenschaftswesens und 1867 entstand nach seinen Plänen der Giroverband der Deutschen Genossenschaften.
Nach kurzer Krankheit wurde Alwin Sörgel am 15. November 1875 aus seinem schaffensreichen Leben gerissen und auf dem Doretheenfriedhof in Berlin bestattet.
In zahlreichen Nachrufen von Freunden aus Eisleben und Berlin wird sein Schaffen gewürdigt, darunter ist auch sein engster Freund und Mitstreiter Hermann Schulze-Delitzsch. Er schließt seinen Nachruf mit den Worten: „„... Welche hochbedeutende, großartige Schöpfung er den Kreditgenossenschaften in dem Giro-Verbande hinterlassen hat - das steht bei Allen in so lebendiger Erinnerung, dass es keines Wortes darüber bedarf... .Was der Verstorbene uns Allen, unserer Sache gewesen ist, das wissen wir; dem Anwalt (der Verfasser des Nachrufs Schulze- Delitzsch) war er mehr: ein zuverlässiger erprobter Freund, mit welchem ihn nicht bloß gemeinsames Streben, sondern auch nähere, tief menschliche Beziehungen verbanden. Welches feine Verständnis aber bei solchen Berührungen unter der verschlossenen schweigsamen Außenseite sich zeigte, das wird seinen Freunden unvergesslich sein!“