Robota 500

„Robota 500“ zeigt in Osterhausen Farbe – ein Kunstobjekt im öffentlichen Raum

Mit der Plastik „Robota 500“ wird in Osterhausen an den 500. Todestag von Thomas Müntzer erinnert. Das Jahr 2025 stand bundesweit im Zeichen des Gedenkens an den Reformator sowie an den Deutschen Bauernkrieg von 1524 bis 1526. In zahlreichen Städten Deutschlands fanden dazu Veranstaltungen und Ausstellungen statt.
Auch Sachsen-Anhalt beteiligte sich mit Ausstellungen in Eisleben, Mansfeld, Halle, Allstedt und Stolberg an der Erinnerung an die Ereignisse des 16. Jahrhunderts. Nach diesen großen Gedenkfeierlichkeiten stellte sich jedoch die Frage: Was bleibt? Was geben wir an kommende Generationen weiter? Mit diesen Fragen setzten sich die beteiligten Akteure frühzeitig auseinander.
Daniel Herrmann, Direktor der Werkleitz-Gesellschaft, die seit vielen Jahren mit künstlerischen Projekten und Veranstaltungen in der Region Halle tätig ist, griff gemeinsam mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt das Thema Bauernkrieg auf. Im Rahmen der Landesausstellung „Gerechtigkeyt 1525“ wurde im Kunstmuseum Moritzburg in Halle die Ausstellung „Planetarische Bauern“ gezeigt. Deutsche und internationale Künstlerinnen und Künstler setzten sich darin mit der globalisierten Landwirtschaft der Gegenwart auseinander und untersuchten, wie aktuell die Forderungen der Bauern von vor 500 Jahren noch heute sind.
Aus diesem künstlerischen Umfeld entstand die Idee, an authentischen Orten wie Stolberg, Emseloh und Osterhausen mit Skulpturen an die historischen Ereignisse zu erinnern.
Für Osterhausen, einen Ortsteil der Lutherstadt Eisleben, der in den vergangenen Jahren unter anderem durch das „Postamt des Osterhasen“ bekannt wurde, ist der Bauernkrieg kein neues Thema. Bereits 1975 wurde hier ein Denkmal zur Erinnerung an den Deutschen Bauernkrieg errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Gedenksäule steht nun die Plastik „Robota 500“.
Sie erinnert auch an ein Massengrab in Osterhausen mit den Gebeinen von Aufständischen, die um 1525 getötet wurden. Ortsbürgermeister Gerald Götte berichtet außerdem von Bauerngehöften, die während der Kämpfe niedergebrannt wurden.
Gemeinsam mit dem Bürgermeister der Lutherstadt Eisleben, Carsten Staub, brachte Ortsbürgermeister Götte seine Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, dass Osterhausen als Standort für die Skulptur ausgewählt wurde. Der Standort in der Nähe der Gedenksäule von 1975 sei vom Ortschaftsrat ausdrücklich mitgetragen worden. Kunst im öffentlichen Raum, so Götte, werde jedoch stets unterschiedlich interpretiert werden und sicherlich auch Fragen aufwerfen.
„Robota 500“, ein gemeinsames Projekt von Stine Albrecht und Hermann Beneke, ist eine 2,70 Meter hohe Metallplastik aus vertikal geschichteten Aluminiumplatten, die eine humanoide (nicht-menschlich, künstlich) Figur darstellt. Die Skulptur ist in den Farben des Regenbogens gestaltet. Der Regenbogen, den Thomas Müntzer und seine Anhänger 1525 auf ihren Fahnen führten, steht für den Bund Gottes mit den Menschen. In der biblischen Geschichte von Noah symbolisiert er Hoffnung, Zuversicht und Vielfalt – Werte, die bis in die Gegenwart hineinwirken.
Der Name „Robota“ verweist auf den Ursprung des Begriffs „Roboter“, der vom tschechischen Wort robota stammt und „Frondienst“ oder „Zwangsarbeit“ bedeutet. Geprägt wurde er von Karel Čapek in seinem Drama R.U.R. (Rossum’s Universal Robots). Darin erschaffen Menschen künstliche Arbeiter, um sich körperliche Arbeit zu ersparen und die Produktivität zu steigern. Die Roboter entwickeln jedoch ein eigenes Bewusstsein und rebellieren schließlich gegen ihre Schöpfer. Diese Erzählung wirft grundlegende Fragen nach Macht, Gerechtigkeit und den sozialen Folgen technologischen Fortschritts auf – Fragen, die sich ebenso auf historische wie auf aktuelle Konflikte um Land, Ressourcen und soziale Ungleichheit übertragen lassen.
„Robota 500“ steht damit zugleich für die aufständischen Bauern des 16. Jahrhunderts und für eine kritische Auseinandersetzung mit der Übertechnologisierung und dem Effizienzdenken heutiger Wirtschaftsprozesse.
Neben der Skulptur wurde eine Informationstafel angebracht, die die Künstler nennt. Über einen QR-Code können Besucherinnen und Besucher weitere Informationen abrufen.
Auch an den anderen Standorten nimmt die Skulptur Bezug auf historische Ereignisse: In Stolberg steht sie im Flusstal der Thyra. Auf der nahegelegenen Thyrahöhe, dem früheren Galgenberg, wurden während des Bauernkrieges Aufständische hingerichtet. Thomas Müntzer, einer der bekanntesten Anführer der Bauern, wurde in Stolberg geboren. In Emseloh wiederum stürmten und zerstörten die Aufständischen des Bauernkrieges das Kloster Kaltenborn.

Amerkung Red.
Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch Fotos von der Feierlichkeit von 1975 besitzen, dann können sie uns diese gern an folgende E-Mail Adresse senden:
maik.knothe@lutherstadt-eisleben.de

Vielen Dank.