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Städtepartnerschaft Osterwieck - Eisleben besiegelt

Die Stadt Osterwieck und die Lutherstadt Eisleben unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich Tourismus bezüglich der Vorbereitung des 500-jährigen Reformationsjubiläums im Jahr 2017, einer gemeinsamen Vermarktung, Außendarstellung und Pressearbeit zwischen der Stadt Osterwieck und der Lutherstadt Eisleben.
Beide Stadtoberhäupter, Ingeborg Wagenführ - Bürgermeisterin Stadt Osterwieck und Jutta Fischer – Oberbürgermeisterin der Lutherstadt Eisleben nutzten dafür ihren jeweiligen Neujahrsempfang.

Vorausgegangen waren die Beschlüsse der Stadträte beider Städte.

Bereits in der Absichtserklärung zurren beide Städte grundlegende Eckpunkte fest.
Beide Städte erklären sich bereit, gegenseitig zur Förderung des Tourismus zu den Schwerpunktthemen Reformation, historische Persönlichkeiten, Bau- und Regionalgeschichte Informationen zur Verfügung zu stellen und in der Arbeit zu unterstützen, um:
• mögliche Reiseziele mit Übernachtung in vorhandene Reiseprogramme zu integrieren,
• neue Reiseprogramme zu erstellen,
• gemeinsame Tagungen zur Förderung des Luther- und Städtetourismus durchzuführen,
• eine gemeinsame Marketingstrategie zu entwickeln.

Dazu wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet, die ihren Focus auf eine enge Zusammenarbeit im Bereich Tourismus und Öffentlichkeitsarbeit zwischen den Städten legen soll.

Im Jahr „Acht“ der Lutherdekade heißt das Thema „Reformation - Bild und Bibel“
Anlässlich des 500. Geburtstages des jüngeren Cranachs kommt die Kunst der Reformationszeit in den Blick. Die Reformation war auch eine Medienrevolution. Eine neue Wort- und Bildsprache entstand.
Dafür finden sich in Mitteldeutschland zahlreiche Beispiele besonders in der Lutherstadt Eisleben und in der Stadt Osterwieck, die bisher wenig im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen. Daher beabsichtigen beide Städte, eine Partnerschaft einzugehen:
Sie beruht auf den übereinstimmenden historischen Wurzeln der beiden Regionen und hat insbesondere das Ziel der gemeinsamen Vermarktung und Außendarstellung.
Historische Übereinstimmungen:
• beide Regionen gehören zum sog. germanischen Altsiedelland,
• sind Gebiete der frühen Christianisierung und Zentren der Ottonen bei der Entwicklung des Heiligen Römischen Reiches im 10. und 11. Jahrhundert (so werden in einer Urkunde Otto III. vom 23. November 994 Eisleben und Osterwieck-Seligenstadt als loca legaliter constructa (bereits vor 994 gesetzmäßig erbaute Orte) erwähnt,
• beide Städte bekennen sich früh zur Reformation Martin Luthers, das spiegelt sich sowohl in den kirchlichen und weltlichen Bauten als auch in der Kirchen- und Kulturgeschichte wider,
• besonders für das 19. Jahrhundert und für die Zeit nach 1990 lassen sich gemeinsame Tendenzen in der wirtschaftlichen Entwicklung nachweisen,
• die Entwicklung beider Städte ist durch die Bemühungen gekennzeichnet, den Strukturwandel und die demografische Entwicklung zu bewältigen und eine moderne Infrastruktur im Bewusstsein einer reichen historischen Vergangenheit entstehen zu lassen.
Die Stadt Osterwieck stellte eine besondere Rolle im Prozess der lutherischen Reformation dar. In dieser Bewegung sprachen die Bürger der alten Kaufmannssiedlung Osterwieck – im frühen Mittelalter auch als Missionszentrum Karls des Großen und als Ausgangspunkt des nachmaligen Bistums Halberstadt bekannt - ein gewichtiges Wort innerhalb der deutschen Städte. Bereits 1535 wurde hier ein lutherischer Prediger berufen. Mit großer Entschiedenheit bekannten sich die Stadtbewohner zu den Lehren Martin Luthers:
In Osterwieck finden sich die frühesten protestantischen Hausinschriften in Deutschland, die an den Stockschwellen der Fachwerkbauten eingeschnitzt und ergänzt wurden durch eine Fülle von Zitaten aus 14 Psalmen, die sich mitunter über drei Stockwerke erstrecken.
Der Weg zum lutherischen Glauben ist damit in der bis dahin zum katholischen Bistum Halberstadt gehörenden Ortschaft in einer so einzigartigen Weise nachvollziehbar wie in keiner anderen Stadt Sachsen-Anhalts.
Dazu gehört auch ein frühes protestantisches Stadtkirchenbauwerk, das Hauptschiff von St. Stephani, das zwischen 1552 und 1557 entstand und allein von der Stadt Osterwieck finanziert wurde. Das Kirchenschiff ist ein frühprotestantischer Kirchenbau in einer Stadt, die sich umso mehr zur Reformation bekannte, als die konfessionelle Frage im Fürstbistum Halberstadt bis 1648 unentschieden blieb.
In dem protestantischen Kirchenschiff durfte allein das „Wort der Bibel“ zu Bildern werden. So zeigen Brüstungsfelder der Nordempore Szenen aus dem AT, die auf Vorlagen von Virgil Solis zurück gehen.
Damit ist eine direkte Verbindung zur St. Annenkirche in Eisleben nachweisbar, denn die berühmte Steinbilderbibel in der St. Annenkirche beruht ebenfalls auf einer Holzschnittfolge des Nürnberger Kupferstechers, Radierers und Holzschnittmeisters Virgil Solis (1514-1562 - Wikipedia). Diese Chorgestühlbrüstung steht zwar in einer langen Tradition mittelalterlicher Chorgestühle, sie ist aber ein beredtes Zeugnis protestantischen Geistes nicht mehr nur an die Geistlichkeit, sondern auch an den Rat und die Mansfelder Grafen.
Die Stadt Osterwieck verfügt im Rahmen der Lutherdekade über ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal nicht nur in Sachsen-Anhalt.
Sie ist die Stadt, in der die Reformation nicht durch den Landesherrn eingeführt wird, sondern das Bürgertum die Beschlüsse zur Einführung der Reformation 1535 im Rathaus fassten. Durch seine von protestantischer Theologie erfüllten und sich zur Reformation bekennenden Hausinschriften an 41 Fachwerkhäusern, ist Osterwieck zu einer "Stadt der Reformation" ganz besonderer Art geworden.
In einmaliger Weise unterstreicht das in den Inschriften häufig vorkommende Wort "solus - allein", Martin Luthers reformatorische Erkenntnis.
("Gebt unserm Gott allein die Ehre", Moses 5, 32,3 "allein die Schrift, allein durch den Glauben, allein durch Christus, allein durch Gnade" kann der Mensch Rechtfertigung und Erlösung erfahren).
Höhepunkt und Ausdruck der Zusammenarbeit wird in diesem Jahr eine Fachtagung zur Reformation in den drei Städten Eisleben, Mansfeld-Lutherstadt und Osterwieck, vom 19.- 21. Juni 2015 sein. Eine Besonderheit ist der tägliche Wechsel des Tagungsorts. Zu dieser Tagung werden zahlreiche Historiker, Vertreter von Kirchen und Stiftungen erwartet.

Unterstützt wird diese Tagung von der Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalt, der Stiftung des Mitteldeutschen Kulturrates, des Landesheimatbundes und des Mansfelder Geschichts- und Heimatvereins.