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Die Ukraine-Krise, die deutsche Öffentlichkeit und die Erinnerung an den 2. Weltkrieg

Die Ukraine-Krise, die deutsche Öffentlichkeit und die Erinnerung an den 2. Weltkrieg

Zu diesem Thema hatte das Eisleber Bündnis "Meine Stadt und ICH" zwei profunde Kenner der Historie eingeladen.
Zunächst sprach PD Dr. Kai Struve, der in seiner beruflichen und speziell auch wissenschaftlichen
Laufbahn national, wie international umfangreich an Themen des 2. Weltkrieges, besonders auch der
Judenverfolgung, gearbeitet hat.

In seinem Vortrag verwies er u.a. auf die Argumentationen der Seite der "Russlandversteher" sowie
der "Faschismusverharmloser" in der Diskussion um die Ukraine-Krise.
Er rückte die Situation der Ukraine vor, während und nach dem 2. Weltkrieg in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. nicht ohne zugleich deutlich zu machen, dass sich die Sowjetunion als staatliches Gebilde 1991 aufgelöst und die ehemaligen Sowjetrepubliken ihre staatliche Souveränität erlangt bzw. wieder erlangt haben.
Die gegenwärtige Situation im Verhältnis Russland und der Ukraine ist völkerrechtlich inakzeptabel, ein Zustand, der nicht allein aus der Geschichte zu erklären ist, sondern gleichermaßen durch zahlreiche Versäumnisse, Fehleinschätzungen und -entscheidungen der politisch Verantwortung Tragenden in der Ukraine, in Russland aber auch in der EU.
Leider ist heute bei den Beteiligten zu verzeichnen, dass die wirtschaftlichen Interessen maßgeblich
die Meinungsbildung der einzelnen Lager dominieren und somit oftmals die Grundwerte der Demokratie, deren Achtung und Einhaltung unterschätzt werden.

Hier setzte Dr. Holger Politt, der zweite Historiker, mit seinem Statement zur aktuellen Situation an. Er ist seit vielen Jahren im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin tätig und hat sich in zahlreichen Publikationen u.a. mit der Situation der russischen Bevölkerung in den neu entstandenen Staaten des Baltikums befasst. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Übersetzung und Veröffentlichung der Werke Rosa Luxemburgs in den ersten Jahren ihrer politischen Arbeit.
Dr. Politt lebt mit seiner Familie in Warschau und ist häufig in Russland, dem Baltikum und auch in der Ukraine sowie Westeuropa beruflich unterwegs. Zur jetzigen Situation stellt er mit Blick auf die beiden "Kontrahenten" immer wieder fest, dass die dort lebenden Menschen ratlos sind darüber, wie und warum dies alles geschehen konnte und geschieht und was dies für ihre Zukunft noch bedeuten wird. Ebenso sei auffallend, dass die russische Propaganda eine sachliche und differenzierte Meinungsbildung nicht befördert. In diesem Zusammenhang ging er auch auf die geopolitischen Interessen Russlands ein, die sich nicht auf den Schutz des Landes in seinen Grenzen beschränken,
sondern gleichermaßen im Verständnis eines "Hüters" der Interessen aller russisch Sprechenden wahrgenommen werden.
An Hand verschiedener Beispiele erläuterte er, dass es in den einzelnen Ländern der ehemaligen GUS durchaus geregelt war und weniger Problemorientierung unter diesen Menschen gab, als heute mit Zweisprachigkeit und herrschender Amtssprache hochstilisiert wird.

Sowohl jenen, die die Veranstaltung besuchten, als auch für die, die nicht dabei sein konnten, sind dem Artikel Literaturhinweise im Internet beigefügt.
Die Initiatorinnen vom Bündnis bedanken sich auf diesem Wege bei, Ralf Haiasch vom Punktum -TV für die Moderation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt für die Mitarbeit als Veranstalter und beim MdL Stefan Gebhardt, der sich für die Unterstützung aus dem Soli-Fonds der LTF Die LINKE einsetzte.

PD Dr. Kai Struve:
"Faschismusverharmloser" und "Russland-Versteher" - die Ukraine-Krise in der Diskussion"
"Der Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges und Gewalt gegen Juden
während des Sommers 1941 im östlichen Polen"
Dr. Holger Politt:
Rosa Luxemburg - "Nationalitätenfrage und Autonomie"
"Ein Stein des Anstoßes" - Gespräch über das heutige Estland