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Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" vergeben


Nach knapp dreistündiger Jurysitzung des Bundes der Lutherstädte ist nun das Geheimnis gelüftet. Der diesjährige Preisträger für den Preis der Lutherstädte
„Das unerschrockene Wort“ ist: Mazen Darwish

Die 18 Jurymitglieder haben sich einstimmig für die Nominierung der Stadt Worms, den syrischen Rechtsanwalt Mazen Darwish und das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit (SMC), für den Preis 2015 entschieden.

„Mit unserem Vorschlag wollen wir den Kampf um die Freilassung von Mazen Darwish und weiterer Journalisten unterstützen. Die Pressefreiheit ist ein grundlegendes Element der Freiheit schlechthin.“, begründete der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel den Vorschlag.

Darwish gründete das SMC bereits im Jahr 2004, also lange vor den Protesten für Demokratie, Menschenrechte und Freiheit in Syrien ab März 2011.
Seit Beginn der Protestbewegung berichtete das Zentrum verstärkt über die Menschenrechtssituation in Syrien und die Lage der Pressefreiheit, dokumentierte Zahlen und Identitäten der verhafteten, verschwundenen und getöteten Menschen und wurde damit zu einer wichtigen Informationsquelle für ausländische Beobachter der Entwicklung.
Am 16. Februar 2012 stürmten Regierungskräfte das SMC-Büro in Damaskus und nahmen alle dort anwesenden Mitarbeiter des Zentrums fest, darunter Mäzen Darwish, Hussein Ghrer und Hani al-Zeytani. Sie wurden zunächst monatelang an unbekanntem Ort festgehalten. Bis heute sind die drei Genannten in Haft und offiziell sind sie vor dem Terrorismusgericht in Damaskus angeklagt.


Die Anklage vom Februar 2013 unterstellt Darwish, er habe durch seine Menschenrechtsarbeit terroristische Akte begünstigt und die innenpolitische Lage in Syrien angeheizt, um internationale Organisationen zur Verurteilung Syriens zu bewegen. Außerdem wird ihm zur Last gelegt, über terroristische Taten berichtet und damit gegen ein Anti-Terror-Gesetz von 2012 verstoßen zu haben, ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.
Bisher wurde der Prozess nach jedem Verhandlungstag vertagt. Das Gericht hat es abgelehnt, die Inhaftierten des SMC unter das Amnestiegesetz vom 10.6.2014 zu fassen. Sie sind im Adra-Gefängnis am Stadtrand von Damaskus inhaftiert. Ehemalige Mithäftlinge haben „Reporter ohne Grenzen" von Folterungen berichtet.
„Reporter ohne Grenzen" bemüht sich seit der Inhaftierung um die Freilassung Darwishs und seiner Kollegen. Amnesty international betrachtet Darwish als gewaltlosen politischen Gefangenen („pnsoner of conscience"). Mehr als 70 weitere Organisationen, darunter das Arabische Netzwerk für Menschenrechte, fordern seine Freilassung. Auch die ehemalige Außenbeauftragte der EU Catherine Ashton, hat die Freilassung Darwishs gefordert. Im Juni 2013 äußerte sich Darwish aus dem Zentralgefängnis mit den Worten „Though there is no greater happiness for a prisoner than the knowledge that the outer world is remembenng him, as devastation and bloodshed ahs engulfed my homeland, happiness has become a kind of luxury for which I feei ashamed." Die Organisation „Front Line Defenders" hat auf You-Tube ein Video zu Darwish gepostet, in dem auch seine im Mai 2012 freigelassene Frau, die Journalistin Yara Badr, zu hören ist.
(Weitere Informationen zum Preis unter: http://www.worms.de)

Die Preisverleihung findet am 25. April 2015 in der Lutherstadt Wittenberg statt.

Daten und Fakten zum Preis.
Mit dem Preis wird an den Reformator Martin Luther erinnert, der seine Überzeugung mutig und standhaft gegenüber den Autoritäten seiner Zeit verteidigt hat. „Das unerschrockene Wort“ wird an Frauen und Männer verliehen, die in einer besonderen Situation oder bei einem konkreten Anlass, aber auch beispielhaft über einen größeren Zeitraum hinweg, in Wort und Tat für die Gesellschaft, die Gemeinde oder den Staat bedeutsame Aussagen gemacht und diese gegenüber Widerständen vertreten haben.
Dabei geht es weniger um eine Zustandsbeschreibung als um wegweisende, zukunftsgerichtete Überlegungen. Bei der Vergabe des Preises spielen parteipolitische und konfessionelle Gesichtspunkte keine Rolle. Auch allgemeine Unzufriedenheit, querulierende und eigennützige Motive oder Demagogie erfüllen nicht das Kriterium des „unerschrockenen Wortes“. Die Preisträger können aus der Bundesrepublik Deutschland, aber auch aus dem Ausland kommen. Ihr unerschrockenes Wort sollte sich auf die gesellschaftliche Situation in der Bundesrepublik beziehen.

Der Preis „Das unerschrockene Wort“ wurde 1996 anlässlich des Lutherjahres von den Lutherstädten Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle, Heidelberg, Magdeburg, Marburg, Speyer, Wittenberg, Worms und Zeitz gestiftet. Erster Preisträger war der Berliner Philosoph und Theologe Dr. Richard Schröder. Seit 1999 wird der Preis alle zwei Jahre verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Weitere Preisträger waren: 1999 der Tübinger Theologe, Prof. Dr. Hans Küng, im Jahr 2001 die Polizeipräsidentin aus Eberswalde, Frau Uta Leichsenring, 2003 Frau Gertraude Knoll aus Österreich und 2005 der Liedermacher Stephan Krawczyk. Im Jahr 2007 wurde Emel Abidin-Algan ausgezeichnet. Die Journalistin Andrea Röpke, die von der Lutherstadt Wittenberg vorgeschlagen wurde erhielt in 2009 den Preis. 2011 wurden der russische Journalist Dmitrij Muratow und das Redaktionsteam der russischen Tageszeitung „Nowaja Gaseta“ ausgezeichnet. Im Jahr 2013 ging das „Unerschrockene Wort“ an die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“, die „vielen Menschen Mut machen, gegen nationalsozialistische neue Bestrebungen anzukämpfen“.

Mehr Informationen zum Preis „Das unerschrockene Wort erhalten Sie unter: www.worms.de.