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Holocaust-Gedenken in der Lutherstadt Eisleben

Holocaust-Gedenken in der Lutherstadt Eisleben


Der 27. Januar 1945 ist zum Gedenktag für die Opfer des Faschismus, vor allem für die Juden, aber auch für alle anderen von den Nazis vor und während des II. Weltkrieges ermordeten Menschen in den Konzentrationslagern, geworden. An diesem Tag wurde eines der größten Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das seitdem als Symbol für die systematische Massenvernichtung der Juden steht, befreit. Seit mehr als zehn Jahren gedenken in der Lutherstadt Eisleben auf Initiative der Stadt, der Kirchen und des Fördervereins Eisleber Synagoge e.V. die Menschen diesem historischen Tag auf dem jüdischen Friedhof der Stadt in der Magdeburger Straße. Traditionell zündeten die Teilnehmer auch in diesem Jahr eine Kerze an und befestigten diese am David-Stern.

Viele Eisleber Bürger waren der Einladung der katholischen und evangelischen Kirchgemeinden und dem Förderverein der Eisleber Synagoge gefolgt, am Sonntag, dem 29. Januar 2017, an einem Gedenken zum Holocaust teilzunehmen. Der mit Kerzen bestückte Davidstern verbreitete eine berührende Stimmung.
Die Pfarrerin Iris Hellmich von der evangelischen Kirche und Pfarrer Michael Schwenke von der katholischen Kirche zelebrierten ein christliches Holocaust-Gedenken, in dem sie die erschreckende Vernichtung der Juden verurteilten und in den Fürbitten Gott um seinen Schutz und Beistand baten, damit sich solche Verbrechen nie wieder wiederholen.
Die Oberbürgermeisterin der Lutherstadt Eisleben, Jutta Fischer, fand mahnende Worte zu den derzeitigen weltpolischen Ereignissen. „Demokraten weltweit sind beunruhigt und immer ratloser mit Blick auf die zunehmende Überhöhung und Überbewertung nationaler Interessen, die immer häufiger und unverblümt postuliert werden. Wir können dies in den Medien täglich erfahren. Und wir haben die Möglichkeit, uns umfassend und alternativ zu informieren. Dies war den Menschen in einer solchen Breite in den Jahren vor und nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bis hin zum 2. Weltkrieg nicht möglich. Journalisten begeben sich heute nicht selten in persönliche Gefahren, wenn sie von Gewalt berichten.
Es ist nicht unmöglich, dass ungenaue und ggf. auch manipulierte „Wahrheiten“ durch guten Journalismus aufgedeckt und an den Pranger gestellt werden, aber man hat heute immer mehr den Eindruck, dass alles, was nicht in das Weltbild einzelner oder bestimmter Gruppen passt, als Lüge bezeichnet wird.
Wir wissen das und haben noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um aufklärend für Frieden, Menschlichkeit und Demokratie zu werben und notfalls auch den Finger couragiert in die Wunde zu legen“, so die Oberbürgermeisterin.
Maria Hahn, Mitglied im Förderverein Eisleber Synagoge e.V. verlas das Schicksal der jüdischen Familie
Georg Schottländer, der in Eisleben von 1901 – 1937 als Kaufmann und Ladenbesitzer lebte.
Mit dem bekannten jüdischen Lied „Hevenu schalom, alejchem- Wir wünschen Frieden euch allen“, das alle Besucher mitsangen, wurde noch einmal der Wunsch aller Besucher der bewegenden Feierstunde nach Frieden hörbar. Nach jüdischem Ritual wurden anstatt Blumen Steine auf die Gräber verstorbener jüdischer Eisleber Bürger gelegt.